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Songs an einem Sommerabend 2009
Unser schönstes Ferienerlebnis
Ein Reisebericht von Gernot Hoersch
Die Zugfahrt von Hamburg begann bereits gegen 8:30 Uhr Freitag früh. Etwas unausgeschlafen, doch voller Vorfreude auf die bevorstehenden Tage und mit jeweils einem großen Fresspaket bewaffnet enterte die „Reisegruppe Reimkultur“ den ICE der Bahn. Über Hannover, Kassel und Würzburg ging es fünfeinhalb Stunden gen Süden. Die Landschaft wurde mit jedem Kilometer hügliger, die Kirchtürme bekamen zusehens Zwiebelturm-Optik und aus Städten wurden Dörfer. In Würzburg angekommen, verpassten wir natürlich unseren Anschlusszug nach Bad Staffelstein um drei Minuten. Die 1 Stunde Wartezeit, die übrigens wie Flug verging, nutzten wir um unsere Fresspakete aufzufüllen. Ich persönlich nutzte die Gelegenheit, meine erste Leberkas-Semmel zu mir zu nehmen, ein Muss für mich auf „bayerischem“ Freistaatsgebiet. Es sollte nicht meine letzte sein.
Geografischer Einschub: Im Laufe des Wochenendes wurden wir mehrfach über die Besonderheiten des fränkischen Territoriums aufgeklärt. Doch als Auswärtiger muss man dort gewesen zu sein um zu verinnerlichen, wie Unter-, Ober- und Mittelfranken zu unterscheiden sind und das dies nicht mit Bayern zu verwechseln ist. Unter keinen Umständen. Zurück zur Reise.
Über Bamberg ging es dann mit dem Regionalzug nach Bad Staffelstein im schönen Oberfranken, wo uns unsere Webfee Tanja (eine waschechte Bad Staffelsteinerin) abholte. Bereits auf dem 5 km langen Autoweg nach Banz fiel unser Blick kollektiv auf den Hügel in einiger Entfernung, auf dem das Kloster thronte. Beeindruckend oder schlicht imposant. Doch dies sollte lange nicht das einzige Beeindruckende an diesem Wochenende bleiben. Bereits die Strasse hoch zum Kloster flößte uns Flachland-Tirolern ordentlichen Respekt ein, denn sie schlängelt sich steil einige Kilometer den Hügel hinauf. Wir waren froh im Auto zu sitzen und bekamen Schweißausbrüche beim Gedanken an all die Konzertbesucher, die diesen Hügel bereits wenig später (bzw. all die ganzen Jahre) zu Fuß und mit Proviant und Decken bepackt erstiegen. All diesen Menschen zolle ich an dieser Stelle meinen absoluten Respekt!
Auf dem Hügel angekommen, bogen wir auf den Hof des Klosters ein - wobei man dieses Bauwerk in unseren Breiten mit Sicherheit eher als Château bezeichnen würde! Durch einen Torbogen ging es auf einen riesigen Innenhof in dessen Mitte sich ein fröhlich sprudelnder Springbrunnen befand. Dahinter erhob sich das Hauptgebäude, dass man über zwei geschwungene Treppen bzw. eine ausladende und ebenfalls geschwungene Auf- wie Abfahrtsrampe erreichen konnte. Die Größe des gesamten Komplexes ist mit „monumental“ durchaus wohlwollend umschrieben, wenn man in der Kategorie „Kloster“ denkt. Die beiden Seitenflügel umschlossen gemeinsam mit Hauptgebäude und Front den Innenhof, die Türme der Kapelle hinter dem Hauptgebäude setzten rein optisch dem majestätischen Anblick buchstäblich die Krone auf.
Nach dem Einchecken in sehr komfortable Zimmer – das Kloster wird nicht mehr von Mönchen bewohnt, sondern dient als Seminarhaus der Hanns-Seidel-Stiftung und ist topmodern ausgestattet - machten wir uns auf den Weg zur Klosterwiese gegenüber, um uns einen ersten Eindruck von den Örtlichkeiten zu verschaffen. Im Garten der Klosterstube stießen wir auf Bodo und Sven, die nach den Proben ihr gleichwohl verdientes, wie verspätetes Mittagessen einnahmen und eifrig an Bodos Moderationen arbeiteten. Um die beiden beim Arbeiten nicht allzu lange zu stören, machten wir uns dann weiter auf den Weg zur Wiese. Vorbei an einer schier endlosen Schlange von Besuchern, die auf den Einlass warteten, betraten wir das Gelände oberhalb des Klosters.
Natürlich kannten wir alle diverse TV-Mitschnitte der „Songs an einem Sommerabend“ von Bodo, doch die Kulisse, die sich uns eröffnete, ist kaum in Worte zu fassen. Dadurch, dass die Bühne sich unten am Fuß der Wiese befindet und sich die Wiese den steilen (unfassbar steilen) Hang hinaufzieht, blickt man auf ein Panorama, dass optisch im Fernsehen in seiner Gänze gar nicht einzufangen ist. Natürlich thront das Kloster im Bild, doch auch der tolle Blick aufs Maintal und die Hügelkette auf der anderen Talseite malen eine Kulisse, die Bodo am Abend in seiner Moderation treffend als Postkarten-Landschaft bezeichnete („ ... fasst ein bisschen kitschig“).
Wenig später öffneten sich die Pforten für die Konzertbesucher, die im Laufschritt auf den Rasen strömten, oftmals bewaffnet mit Kind und Kegel, um mittels farbenfroher Decken ihre territorialen Ansprüche auf ein kleines Fleckchen des Rasen zu artikulieren (gute alte Mallorca-Schule). Koordiniert wurde das Ganze von einer Mitarbeiterin des BR, die dafür sorgte, dass die Besitznahme der Wiese in ruhigen Bahnen und lückenlos vonstatten ging. Eindrücklich hieran war, dass bereits zwei Stunden vor Beginn der Veranstaltung die Schlange der Besucher bis weit in Richtung Tal reichte und auch wenn nicht jeder der erste sein kann, hatten doch alle Besucher eines gemeinsam: Einen glücklichen, erwartungsfrohen Blick und Lust auf einen tollen Abend.
Ein paar Stunden später, die Wiese war schon lange gerammelt voll, ebenso die Sitzplatz-Tribüne, betraten wir das Gelände. Mit der Präzision einer strategischen Operation teilten wir uns auf: Til suchte sich einen Platz am linken Rand, Klaudia nahm die Tribüne am rechten Rand ins Visier und ich stellte mich ans obere Ende der Wiese, zentral, um einen mittigen Blick auf Bühne und Kulisse zu ergattern.
Nachdem das Publikum bereits ab 19:00 Uhr mit dem Vorprogramm bestehend aus Nachwuchskünstlern unterhalten wurde, wurde es gegen 20:30 Uhr dann auch für Bodo ernst.
Die Hauptveranstaltung begann. Und damit ein Abend mit lauten und leisen Tönen. Ab und zu fiel mein Blick auf die Wolken über uns und ich stellte mir die bange Frage, ob sich der Regen fernhalten ließ – das passende Statement hierzu trug ich auf meinem weißen T-Shirt. In den umliegenden Gebieten regnete es bereits, nur der Banzer Klosterhügel war weiterhin Trockengebiet. Blickte man über die Bühne, sah man auf der gegenüberliegenden Hügelkette einem tosenden Gewitter mit Blitzen zu. Ein faszinierender Anblick den man absolut genießen konnte, solange das Gewitter bloß blieb, wo es war.
Die Veranstaltung kam nach Bodos Begrüßung musikalisch schnell in Fahrt. Viva Voce gaben ein „Heimspiel“. Sie sind zwar, wie mir ihr „Mundschlagzeuger“ Jörg hinterher eröffnete, aus Mittelfranken, doch setzten sie zu Beginn direkt auf Völkerverständigung und intonierten ihre Version des Frankenliedes. Sofort war das Publikum auf der Seite der 5 Ansbacher und feierte die Jungs ab. Mit tollen weiteren „Acts“ ging es weiter. Obwohl alle Künstler eine tolle Vorstellung ablieferten, war der Höhepunkt der ersten Hälfte sicherlich Reinhard Mey, den Bodo zunächst mit einem für ihn komponierten Lied überraschte und welchen das Publikum auch nach einer Zugabe vehement forderte. Leider war dies zeitlich nicht möglich, da die Produktion aufgrund des hohen Regenrisikos bemüht sein musste, möglichst zügig im Programm weiterzumachen. Schließlich sollten auch die nachfolgenden Künstler eine Auftrittsmöglichkeit bekommen. Die anschließende kurze Pause nutzte ich, um mir ein „LKW“ = Leberkäsweckla zu besorgen, denn dies ist die korrekte oberfränkische Bezeichnung für ein - neutral gesprochen - Brötchen mit Leberkäse, wie mir Tanja augenzwinkernd erklärte.
In der zweiten Hälfte präsentierte Bodo sein Stück „Ein Denkmal denkt“ mit der Berliner Geigerin Sonja Firker, dem das Publikum gebannt lauschte. Das Konzertprogramm behielt sein hohes Niveau, die Menschen auf der Wiese genossen die Vielfalt der Darbietungen. Höhepunkt der zweiten Hälfte war dann Konstantin Wecker, den ich bis dato noch nie live gesehen hatte. Er fand mit seiner Band die perfekte Mischung zwischen Rocksongs und ruhigen Balladen. Das Publikum tobte, wenn es toben konnte und hielt gebannt inne, wenn die Band ruhigere Töne anschlug. Es ist kaum etwas eindrücklicher, als viereinhalbtausend Menschen, die, gerade noch stehend feiernd im nächsten Moment gebannt den leisen Töne lauschen. Grandios.
Zum großen Finale sangen dann alle Künstler „Gute Nacht Freunde“. Damit endete ein toller Abend mit einem tollen Konzert und einem sichtbar glücklichen und (man höre und staune) trockenem Publikum.
Der folgende Tag gab Sven, Til und mir nach einem entspannten Frühstück Gelegenheit, ein kurze Teambesprechung zu führen, um über die Organisation der anstehenden Projekte nachzudenken. Anschließend machte ich mich auf den Weg zum Waldklettergarten oberhalb der Konzertwiese, den ich aufgrund von Bodos Empfehlung unbedingt ausprobieren wollte. Bodo selbst konnte wegen seiner Fußverletzung nicht mitkommen, doch der Garten ist so konzipiert, dass man nach einer Einführung in Sachen Sicherheit und Verhaltensweise den Parcour hoch oben zwischen den Baumwipfeln auch alleine bewerkstelligen kann. Es war ein tolles Erlebnis, nicht zuletzt weil man von manchen Bäumen aus, auf ca. 12 Meter Höhe stehend, die Bühne des Festivals sehen konnte und ich so als ferner Gast ein paar Takten der Probe von Bodo und Viva Voce lauschen konnte, aus ungewohnter Perspektive. Es wurde noch einmal gemeinsam mit Sven „Ja, Schatz!“ durchgearbeitet, um es noch „aweng“ prägnanter zu performen.
Abends trafen sich Klaudia, Til, ich und weitere viereinhalbtausend Menschen abermals zum Konzert. Die Sonne stand hoch oben am Himmel und hatte uns den lieben langen Tag auf den Pelz gebrannt. Diesmal nutzen wir die Gelegenheit und verfolgten das Konzert unten neben der Bühne. Diese Perspektive ist ebenfalls reizvoll, denn man ist ganz nah dran am Geschehen, manchmal flitzen die Kamera-Männer einem vor der Nase her. Dafür konnte man jedoch direkt auf einen der Monitore schauen. Ganz langsam tauchte die anbrechende Nacht die malerische Szenerie in behütendes Dunkelblau und der Mond ging über dem Kloster auf, so dass sein silberner Schein sanft das goldene Licht der Sonne ablöste.
Das Konzert nahm seinen Lauf. Aufgrund des wolkenfreien Himmels ließ die Regie den Künstlern etwas mehr Zeit und jeder Künstler setzte seiner Performance vom Vortag noch ein kleines bisschen drauf.
Diesmal ließ mir das emotionale Finale sogar einen kräftigen Schauer über den Rücken laufen, sowohl Publikum als auch Künstler hatten einen tollen Abend erlebt und genossen diesen gemeinsamen Ausklang.
Das Frühstück am nächsten Morgen auf der sonnendurchfluteten Terrasse des Klosters war der krönende Abschluss eines tollen Wochenendes. Die Rückfahrt verlief ohne Verspätung oder verpasste Züge, weshalb ich in Würzburg nicht noch meine Leberkäsweckla-Quote erhöhen konnte, wir aber dafür zeitig am Abend in Hamburg ankamen, zwar geschafft, doch wirklich zutiefst angetan von Franken, Kloster Banz und den Songs 2009!
Das war „fei“ ein schönes Wochenende.
Der erste Abend lief hervorragend!
Eine Rückmeldung von Bodo
Überall um den Banz-Berg und die Klosterwiese herum regnete es, aber wir blieben glücklicherweise trocken! In Erwartung der Regenschauer haben wir uns alle ein bißchen beeilt und jeder Künstler hat solidarisch eines seiner Lieder nicht gespielt, damit auch die später angekündigten Kollegen noch trocken würden spielen können.
Doch entgegen aller Wetterberichte blieb es trocken - was für ein Glück! Und Konstantin Wecker hat dann am Ende einfach zwei Zugaben gegeben, was auch für alle schön war!
Dieses Jahr trete ich mit sehr vielen tollen Kollegen auf. Fred Ape ist zum ersten Mal dabei, mit Viva Voce singe ich "Ja, Schatz!" und Sonja Firker begleitet mich wie schon bei den Frankfurt-Konzerten von "Ich denke, also sing' ich" bei "Ein Denkmal denkt" auf der Geige. Diese Version wird auch auf der kommenden "Ich denke"-CD drauf sein!
Heute, am Samstag, sieht das Wetter besser aus als gestern. Und es wird sich bestimmt bis zum Schluß halten. Ich freue mich auf den zweiten Abend und muß jetzt auch schnell rüber auf die Wiese und in die Maske flitzen. Dort wartet schon Nadine auf mich - der ich bei meiner Ödipus-DVD-Produktion gleich wieder begegnen werde!
Es stellt sich jedes Jahr wieder so etwas wie ein Familiengefühl bei den "Songs" ein.

rechts daneben lacht Heinz Lindner, der Regisseur der Sendung <<









